Am 20. Juni war Weltflüchtlingstag
Die Flüchtlinge sehnen sich danach, in ein freies und demokratisches Burma zurückzukehren
“Das Leben in einem Flüchtlingslager ist wie das eines Vogels im engen Käfig”, sagt Lay Moo, einer der mehr als 2.000 Menschen, die am 20. Juni 2007 im Mae La Flüchtlingscamp an Aktionen zum Weltflüchtlingstag teilnahmen. Das Lager liegt in der Nähe der Stadt Mae Sot an der thailändisch-burmesischen Grenze.
Der 21-jährige Flüchtling, der bereits seit 17 Jahre im Lager lebt, fügt hinzu: “Ich habe immer davon geträumt, an einer Universität zu studieren und einmal Arzt zu werden. Aber für mich gibt es keine Chance.”
Er und seine Freunde trugen ein Banner mit der Aufschrift: “Wir brauchen Gerechtigkeit. Wir wollen nachhause gehen.”
“Ich fühle Frustration, wenn ich an meine Zukunft denke”, sagt Lay Moo. “Ich hatte viele Hoffnungen und ich wollte, dass sie wahr werden würden. Aber jetzt habe ich sie aufgegeben.”
Es gibt einer Untersuchung des Committee for Refugees aus dem Jahre 2006 zufolge mehr als 700.000 burmesische Flüchtlinge außerhalb Burmas. Weltweit gibt es etwa 35 Millionen Flüchtlinge. Im Südostasien stellen die Flüchtlinge aus Burma die größte Gruppe.
Über 150.000 Flüchtlinge burmesische Flüchtlinge leben derzeit in neun großen Lagern entlang der thailändisch-burmesischen Grenze. Die meisten von ihnen flohen vor den Angriffen der burmesischen Armee auf die Zivilbevölkerung und den Kämpfen zwischen Armee und Widerstandsgruppen. Und nach Schätzungen des Thailand Burma Border Consortium leben über eine Million aus ihrer angestammten Heimat vertriebene Menschen unter furchtbaren Bedingungen auf der burmesischen Seite der Grenze.
Viele junge Flüchtlinge wenden sich angesichts der Hoffnungslosigkeit ihrer Lage Drogen zu, berichtet Poe Eh, Leiter des Karen Studentennetzwerks, der selbst auch Flüchtling ist. Lay Moo bestätigt uns, dass er früher auch gelegentlich Drogen genommen hat, um seine Depression zu lindern. Poe Eh sagt, dass die Kombination von Beschränkungen der Bewegungsfreiheit, sehr begrenzten Ausbildungschancen und der Ungewissheit über die Zukunft viele Jugendliche dazu bringt, zu Drogen zu greifen.
Si Si, ein junger Flüchtling aus dem Umpiem Mai Lager nahe Mae Sot, bestätigt, dass die Bedingungen in den Lagern alles andere als akzeptabel sind. “Die Regeln und Bestimmungen sind äußerst restriktiv und es ist uns nicht erlaubt, das Lager zu verlassen. “Obwohl ich die Highschool absolviert habe, gibt es keine Arbeit für mich. Ich würde gern weiter lernen, aber ich habe keine Chance. Das macht orientierungslos und depressiv.”
Eine ganze Generation von Karen Flüchtlingen ist in den letzten 20 Jahren in Lagern an Thailands Grenze aufgewachsen. Ständig kommen Neuankömmlinge hinzu, die vor der Offensive des Militärs im Karen Staat fliehen müssen. Etwa 27.000 Karen haben Angaben der Gruppe Human Rights Watch aus New York zufolge seit November 2006 aufgrund der Feldzüge der burmesischen Armee gegen die Zivilbevölkerung ihre Heimat verloren.
Weiter nördlich, wo Thailand an den Shan Staat Burmas grenzt, sind hunderttausende ethnische Shan nach Thailand geflohen. Ihre Zahl lässt sich nur schwer abschätzen, denn im Gegensatz zu den Karen und Karenni Flüchtlingen werden die Shan vom thailändischen Staat nicht als Flüchtlinge anerkannt. Es gibt daher auf der thailändischen Seite nur ein einziges geduldetes und immer wieder gefährdetes kleineres Lager in Piang Luang. Größere Flüchtlingscamps befinden sich aber direkt an der Grenze, aber eben gerade auf burmesischem Boden in Loi Kaw Wan und Loi Tai Leng. In Thailand sind die Shan Flüchtlinge gezwungen, als illegale Arbeitsmigranten und Tagelöhner um ihr Überleben zu kämpfen. In der nordthailändischen Wirtschaft sind sie zwar als billige und rechtlose Arbeiter willkommen, aber sie leben mit der ständigen Angst, zurück ins Kriegsgebiet deportiert zu werden.
Mit unverminderter Gewalt treibt das burmesische Militärregime sein massives Umsiedlungsprogramm im zentralen Shan Staat voran. Mehr als 300.000 Menschen sind hier seit 1996 vertrieben worden. Dies ist ein wesentlicher Faktor für die massive Flüchtlingswelle nach Thailand und an die thailändische Grenze, wie Reports der Organisation Shan Human Rights Foundation belegen.
Aber auch viele ethnische Burmanen sind durch die desolate wirtschaftliche Lage im Lande gezwungen, in Thailand, Malaysia oder Indonesien Arbeit zu suchen, trotz der immer wieder von den dortigen Behörden durchgeführten Razzien gegen illegale Arbeitsmigranten.
Lay Moo und seine Schicksalsgenossen tragen in ihren Herzen die große Hoffnung, irgendwann einmal in ein freies und demokratisches Burma zurückkehren zu können. “Wir möchten nachhause in unser Land zurückkehren, wenn es dort wirkliche Freiheit gibt. Freiheit, zurückzukehren, nicht nur für die Karen, sondern für alle Flüchtlinge aus Burma.”
John Pohl, nach einem Bericht von Violet Cho und Saw Yan Naing